Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529043
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Goethes 
Ästhetik. 
Barbarenart die Kunst nur insofern schätze, als sie uns. 
unmittelbar zur Zierde gereicht, und dafs alle Kunst sich 
wieder auf Zierat, auf dekoratives Beiwerk beziehe, 
während doch die Gegenstände ohne solchen über- 
flüssigen Krimskrams schön sein sollten?) 
In der Zeichenkunst veranlafst uns der Dilettantismus 
zum Sehenlernen, zum Studium der Gesetze, wonach- 
wir sehen, zum Erkennen der Formen, zum Unter- 
scheidenlernen. In der Gartenkunst leitet er uns an, 
„ein Bild aus der Wirklichkeit zu machen", und das ist 
ein erster Eintritt in die Kunst. Eine reinliche 
und vollends schöne Umgebung, wie sie der Garten- 
dilettant oft schafft, wirkt immer wohlthätig auf die 
Gesellschaft. In der Musik bewirkt der Dilettantismus 
eine gesellige Verbindung der Menschen, eine edlere 
Unterhaltung. Im Tanz schafft er ein geregeltes Gefühl 
der Frohheit, die Möglichkeit eines schönen Umgangs, 
er ermöglicht Geselligkeit in einem exaltierten Zustande. e) 
In der lyrischen Poesie sind einige wohlthätige Folgen der 
dilettantischen Ausübung: die Ausbildung der Sprache 
im Ganzen, die Ausbildung der Gefühle und ihres 
sprachlichen Ausdrucks, eine Idealisierung der Vor- 
stellungen bei Gegenständen des gemeinen Lebens, eine 
Kultur der Einbildungskraft, eine Ausbildung des Sinnes 
für das Rhythmische, ein vervielfaltigtes Interesse an 
Humanioribus im Gegensatz zu der Roheit des Un- 
wissenden oder der pedantischen Borniertheit des blofsen 
Geschäftsmannes und Schulgelehrten. 
1) Vgl. den gleichen Brief an 
stammen fast alle von Goethe. 
Mey1 
Die 
Ausdrückm
        

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