Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1526349
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Gocth 
Ästhetik. 
ebenso finden wir auch, dafs der gebildetere Teil die 
Farbe flieht, teils weil sein Organ geschwächt ist, teils 
weil er das Auszeichnende, das Charakteristische ver- 
meidet." Goethe fährt aber sogleich wieder fort, dafs 
oft an der Vermeidung kräftiger Töne nur eine Unsicher- 
heit im Gebrauch der Farben schuld sei. jeder Mifsgriff 
wirkt schreiend, während das Dämpfen, Mischen, Töten 
der Farben einen Schein von Harmonie giebt.   
Eine echtere, höhere Harmonie bieten uns in gut 
gebauten menschlichen Ansiedlungen auch die Bilder 
der ganzen Dörfer und Städte sowie die ihrer einzelnen 
Strafsen, Plätze, Ecken und Winkel. Auch sie recht zu 
geniefsen hat Goethe erst in Italien gelernt, denn in der 
vFremde werden wir uns ja erst der Eindrücke bewufst, 
die wir daheim nicht mehr empfinden, weil wir von 
Kindheit auf daran gewöhnt sind. Nun aber wurde er 
ein herzlicher Hasser aller Bausünrlen. „Meine Lehre 
ist von jeher diese," sagte er 1827 zum Kanzler, „F'ehler 
kann man begehen, wie man will, nur baue man sie 
nicht auf. Kein Beichtvater kann von solchen Bau- 
sünden jemals absolvieren." Schon deshalb mufste er 
gegen die neue Mode, Gebäude in gotischem Stil in 
moderne Strufsen zu stellen, sich erklärenf) weil sie 
die Harmonie zerstören. „In einer schlechtgebauteu 
Stadt, wo der Zufall mit leidigem Besen die Hliuser 
zuszunmenkchrte, lebt der Bürger unbewufst in der 
Wüste eines düstern Zustandes; dem fremden Ein- 
tretenden jedoch ist es zu Mute, als wenn er Dudelsack, 
Pfeifen und Schellentronnneln hörte und sich bereiten 
1) An 
165. 
l-Zaumciste 
(fatal, 
Mai 
18151 
Goethe-Jahrbuch
        

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