Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529036
Dic 
Dilettanten. 
239 
Aber Goethe gab zu, dal's auch zu Gunsten des 
Dilettantismus Einiges spreche. Er ist ein besserer Zeit- 
vertreib als Tabakrauchen und Kartenspielen; in Goethes 
Freundeskreisen kannte man sogar gemeinsames Zeichnen 
als gesellige Unterhaltung, und das war durchaus nicht die 
einzige künstlerische Liebhaberei, die da gepflegt wurde. 
Der Dilettantismus steuert ferner "der völligen Roheit, 
macht gesitteter, regt einen gewissen Kunstsinn an und 
verbreitet ihn da, wo der Künstler nicht hinkommen 
würde. Er beschäftigt die produktive Kraft und kultiviert 
also etwas Wichtiges am Menschen". Er kann "das 
Handwerk zu einer gewissen Kunstähnlichkeit erheben, 
er kann unter gewissen Umständen das echte Kunst- 
talent anregen und entwickeln helfen." Diese Wirkung 
des Dilettantismus auf das Handwerk ist ungemein wichtig 5 
denn "nur durch die Kunst kann das Handwerk immer an 
Bedeutung wachsen". 1) Es ist ja in erster Linie zum Nütz- 
lichen bestimmt, aber „es verherrlicht sich selbst, wenn es 
nach und nach auch das Schöne zu erfassen strebt, 
solches auszudrücken und darzustellen sich kräftig 
beweist". Und ein solches Kunsthandwerk führt ja 
auch wieder zur freien Kunst. Man denke z. B. an die 
italienische Goldschmiedekunst im 15. Jahrhundert. 
„Aus den Werkstätten der Goldschmiede gingen durch 
äufsere Anlässe und Aufmunterung die ersten trefflichen 
Meister anderer Künste hervor. Donatello, Brunalescho, 
Ghiberti waren sämtlich zuerst Goldschmiedef") Aber 
gerade der Gedanke an die Juweliere erinnert uns auch 
an zwei Gefahren des Kunsthandwerks: dafs man nach 
1) Programm zur Prüfung der Zöglinge der Gewerbeschule 
1323.  2) An Meyer, 8. Februar 1796, Wcim. Ausg. IV, n, 22. 
W. Bode, Goethes Ästhetik. 19
        

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