Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529021
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Goethes 
Ästhetik. 
wird durch den überhandnehmenden Dilettantismus 
profaniert, herumgeschleppt und entivürdigt." Nach 
zwei Jahrzehnten der Romantik sprach Goethe zu seinem 
vertrauten Freunde Zelterl) noch härter und nun be- 
sonders über diesen besonderen Hseichten Dilettantismus, 
der in Altertümelei und Vaterländerei einen ütlsclien 
Grund, in Frömmelei ein schwächendes Element sucht, 
seine Atmosphäre, worin sich vornehme Weiber, halb- 
kennende Gönner und unvermögende Versuchler so 
gerne begegnen, wo eine hohle Phrasensprache, die 
man sich gebildet, so häfslich klingt, ein Äiaximengewand, 
das man sich auf den kümmerlichen Leib zugeschnitten 
hat, so nobel kleidet, wo man täglich von der Aus- 
zehrung genagt, an Unsicherheit kränkelt, und um nur 
zu leben und fortzuwebeln, sich aufs schmählichste selbst 
belügen mufs .  . Dem redlich Einsichtigen bleibt es 
gräfslich, eine ganze Generation im Verderben zu sehen." 
"Der Baudilettant," so heifst es in der Schrift von 
1799 weiter, "verfällt leicht auf sentimentalische und 
allegorische Baukunst und sucht den Charakter, den er 
in der Schönheit nicht zu linden weil's, auf diesem Wege 
hineinzulegen. Baudilettantismus, ohne den schönen 
Zweck erfüllen zu können, schadet gewöhnlich dem 
physischen Zweck der Baukunst: der Brauchbarkeit 
und Bequemlichkeit. Die Publizität und Wahr- 
haftigkeit architektonischer Werke macht das Nach- 
teilige des Dilettantismus in diesem Fach allgemeiner 
und fortdauernder und perpetuiert den falschen Ge- 
schmack, weil hier, wie überhaupt in Künsten, das Vor- 
handene und überall Verbreitete wieder zum Muster dient." 
Brief vom 
August 
182.9
        

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