Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528995
Die 
Dilettanten. 
235 
selbst hervorbringen kann. Doch hierüber kommt der 
Mensch nicht leicht ins Klare, und daraus entstehen 
gewisse falsche Bestrebungen, welche um desto ängstlicher 
werden, je redlicher und reiner die Absicht istf") 
Einige Monate später gesteht er sich zuerst zu, dafs 
er zur bildenden Kunst zu alt sei, und sodann, dafs er 
überhaupt nicht für diese, sondern für die Poesie geboren 
sei?) Als er später im hohen Alter auf dies vergebliche 
Streben zurückblickte, freute er sich, dafs er doch im 
vierzigsten Jahre klug genug gewesen sei, seine Talent- 
losigkeit einzusehen, und er sprach aus, wie sein Mangel 
an Begabung sich äufserteß) „Wenn ich etwas zeichnete, 
so  fehlte es mir an genugsamem Trieb für das 
Körperliche; ich hatte eine gewisse Furcht, die Gegen- 
stände auf mich eindringend zu machen, vielmehr war 
das Schwächere, das Mäfsige nach meinem Sinn. 
Machte ich eine Landschaft und kam ich aus den 
schwachen Fernen durch die Mittelgründe heran, so 
fürchtete ich immer, dem Vordergrund die gehörige 
Kraft zu geben, und so that denn mein Bild nie die 
rechte Wirkung. Auch machte ich keine Fortschritte, 
ohne mich zu üben, und ich mufste immer wieder von 
vorn anfangen, wenn ich eine Zeit lang ausgesetzt hatte. 
Ganz ohne Talent war ich jedoch nicht, besonders zu 
Landschaften, und Hackert4) sagte sehr oft: ,Wenn Sie 
achtzehn Monate bei mir bleiben wollen, so sollen Sie 
etwas machen, woran Sie und andere Freude haben?" 
1) Ital. Reise, Bericht über September 1737.  2) Ital. Reise, 
6. Februar, 22.Februar 1788.  3) Eckermann, 10. April 1829. 
 4) Der in Neapel lebende deutsche Landschaftsmaler, dessen 
Biographie Goethe geschrieben hat.
        

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