Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528963
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Goethes 
Ästhetik. 
gehört zu der Einbildung, als ob unser künstlerisches 
Talent nach einiger Anerkennung und Ausbildung 
denen der berühmtesten Dichter oder Musiker oder 
Maler oder Schauspieler gleich komme. Jeder be- 
wundert lieber sich selbst als die längst vorhandenen 
Kunstwerke, unsere eigenen persönlichen Wünsche 
liegen uns näher als die Bedürfnisse der Landsleute. 
.„Es ist kein Ernst da, der ins Ganze gehtf") klagt 
Goethe, „kein Sinn, dem Ganzen etwas zu Liebe zu 
thun, sondern man trachtet nur, wie man sein eigenes 
Selbst bemerklich mache und es vor der Welt zu 
möglichster Evidenz bringe. Dieses falsche Bestreben 
zeigt sich überall, und man thut es den neuesten 
Virtuosen nach, die nicht sowohl solche Stücke zn 
ihrem Vortrage wählen, woran die Zuhörer reinen 
musikalischen Genufshaben, als vielmehr solche, worin 
der Spielende seine erlangte Fertigkeit könne bewundern 
lassen. Überall ist es das Indivitluum, das sich herrlich 
zeigen will, und nirgends trifft man auf ein redliches 
Streben, das dem Ganzen und der Sache zu Liebe sein 
eigenes Selbst zurücksetzte." 
Goethe hatte, als er so sprach, allerdings einen 
krassen Fall der Dilettanteneitelkeit im Sinne: da es 
lange schien, als 0b er den zweiten Teil des ,Faust' 
nicht mehr zu Stande bringen werde, hatte ihn ein 
junger Studierender um den Plan gebeten, damit er, der 
Student, Goethes Werk vollende! 
Aber solche krassen Fälle der Eitelkeit, sind sie 
selten? Goethen traten sie immer wieder vor die Augen. 
Eckcrmann, 
April 
1825
        

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