Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528954
Dilettanten. 
Die 
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„Die Kinder machen schon Verse und gehen so 
fort und meinen als Jünglinge, sie könnten was, bis sie 
zuletzt als Männer zur Einsicht des Vortrefflichen ge- 
langen, was da ist, und über die Jahre erschrecken, die 
sie in einer falschen, höchst unzulänglichen Bestrebung 
verloren haben. Ja, Viele kommen zur Erkenntnis des 
Vollendeten und ihrer eigenen Unzulänglichkeit nie und 
produzieren Halbheiten bis an ihr Ende. Gewifs ist es, 
dafs wenn Jeder üüh genug zum Bewufstsein zu bringen 
wäre, wie die Welt von dem Vortrefflichsten so voll 
ist und was dazu gehört, diesen Werken etwas Gleiches 
an die Seite zu setzen, dafs sodann von jetzigen hundert 
dichtenden Jünglingen kaum ein einziger Beharren und 
Talent und Mut genug in sich fühlen würde, zur 
Erreichung einer ähnlichen Meisterschaft ruhig fort- 
zugehen." l) 
Ja, von sich selbst sagt Goethe, der doch an seinem 
poetischen Genie nie zweifelte, im Jahre 1826, nachdem 
er eben vom ßVerther", ,Götz4 und ,Faust' gesprochen: 
„Hätte ich aber so deutlich wie jetzt gewufst, wie viel 
Vortreffliches seit Jahrhunderten und Jahrtausenden da 
ist, ich hätte keine Zeile geschrieben, sondern etwas. 
Anderes gethanß?) 
Als die eine psychologische Wurzel des grassierenden, 
Dilettantisinus betrachtete Goethe die Eitelkeit. Den 
Schein, ein hervorragender Feldherr, Regent, Kauf- 
mann, Gelehrter, Entdecker und dergleichen zu 
sein, eignet man sich nicht so leicht an; wenig aber 
Eckermann, 
April 
1825 
Eckermann, 
Febr.
        

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