Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528948
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Goethes 
Ästhetik. 
folgt nun, dafs ein jeder, Welcher durch Hören und 
Lesen sich auf einen gewissen Grad gebildet hat, wo 
er sich selbst einigermaßen deutlich wird, sich alsobald 
gedrängt fühlt, seine Gedanken und Urteile, sein Er- 
kennen und Fühlen mit einer gewissen Leichtigkeit 
mitzuteilen. Schwer, vielleicht unmöglich, wird es aber 
den jüngeren, einzusehen, dafs hierdurch im höheren 
Sinne noch wenig gethan istf") 
Ein andermal?) nennt Goethe den Hauptgrund, wes- 
halb man sich dieser allgemein gewordenen Dichterei 
widersetzen müsse. 
„Das ganze Unheil entsteht daher, dafs die poetische 
Kultur in Deutschland sich so sehr verbreitet hat, dafs 
Niemand mehr einen schlechtenVers macht. Die jungen 
Dichter, die mir ihre Werke senden, sind nicht geringer 
als ihre Vorgänger, und da sie nun jene so hoch ge- 
priesen sehen, so begreifen sie nicht, warum man sie 
nicht auch preist. Und doch darf man zu ihrer Auf- 
munterung nichts thun, eben weil es solcher Talente 
jetzt zu Hunderten giebt und man das Überflüssige 
nicht befördern soll, während. noch so viel Nützliches 
zu thun ist. lrVäre ein Einzelner, der über Alle hervor- 
ragte, so wäre es gut, denn der Welt kann nur mit 
dem Aufserordentlichen gedient sein." 
Die jugend neigt an sich schon zu poetischer 
Produktion und gerade sie ahnt in ihrer Unwissenheit 
leider nicht, dafs die poetischen Schätze der Weltlitteratur 
keiner Vermehrung mehr bedürfen, während noch tausend 
andere Aufgaben nach begabten Köpfen, die sie aus- 
führen könnten, schreien. 
1) Deutsche 
Eckermann, 29. 
Litteratur. Für 
Januar I 8 2 6. 
Dichter. 
1831.
        

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