Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528904
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Goethes 
Ästhetik. 
scharfes Auge und ein sicheres Gedächtnis. Und trotz 
alledem erlebte er die bittere Enttäuschung, dafs er auf 
seinen Traum verzichten mufste. Und das, was seinen 
Bildern fehlt, ist  die Gröfse! Also gerade diejenige 
Eigenschaft, die ihm als Menschen, die ihm besonders 
aber in der der Malerei so nahe verwandten poetischen 
Bethätigung niemand absprach, diese Eigenschaft ging 
auf dem Wege zum Stift und Pinsel irgendwie verloren. 
Nicht dafs er noch nicht völlig ausgelernt hat, ist die 
Ursache, weshalb wir seinen Zeichnungen nichts ab- 
gewinnen können, sondern ihr Charakter der Mittel- 
mäfsigkeit läfst eine tiefere Ergriffenheit nicht zu. Wir 
fühlen, dafs Goethe wohl eine Anzahl saubere Land- 
schaften hätte liefern können, die als Ziminerschmuck 
nicht übel gewesen wären, aber wir sagen uns auch, 
dafs die bildende Kunst nicht viel verlor, als er sich 
von ihr abwandte. gDenn der Dichter und Denker des 
,Faust' war auf den Gebieten Rafaels und Michel Angeles 
 ein Dilettant. Er mnfste es selbst bekennen: 
"Vieles hab ich versucht: gezeichnet, in Kupfer gestochen, 
Öl gcmalt, in Thon hab ich auch manches gedruckt; 
Unbeständig jedoch, und nichts gelernt, noch geleistet; 
Nur ein einzig Talent bracht' ich der Meisterschaft nah: 
Deutsch zu schreiben. Und so Verderb ich unglücklicher Dichter 
In dem schlechtesten Stolff leider nun Leben und Kunstf") 
Auf dem dritten grofsen Kunstgebiete, dem der 
Musik, hat sich Goethe nur als Geniefsender beteiligt, 
und wenn man auch die Geniefsenden in Meister und 
Dilettanten 
der Musik 
teilen will, 
Goethe zu 
so werden auch 
den Dilettanten 
die Fachleute 
rechnen. Er 
Gedichte. 
Epigrammc
        

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