Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528854
Das 
Kritisieren. 
271 
rissen wurden, wie früher der Homer von Wolff zer-. 
splittert war. Nicht aus Gläubigkeit, sondern vom ge- 
sunden Menschenverstande aus lehnte Goethe dieses 
Bemäkeln und Bezweifeln ab. "Echt oder unecht 
sind bei Dingen der Bibel gar wunderliche Fragen," 
sagte er. „Was ist echt als das ganz Vortreffliche, 
das mit der reinsten Natur und Vernunft in Harmonie 
steht und noch heute unserer höchsten Entwickelung 
dient! Und was ist unecht als das Absurde, Hohle 
und Dumme, was keine Frucht bringt, wenigstens keine 
gute! Sollte die Echtheit einer biblischen Schrift durch 
die Frage entschieden werden, 0b uns durchaus Wahres 
überliefert worden, so könnte man sogar in einigen 
Punkten die Echtheit der Evangelien bezweifeln, wovon 
Markus und Lukas nicht aus unmittelbarer Ansicht und 
Erfahrung, sondern erst spät nach mündlicher Über- 
lieferung geschrieben, und das letzte, von dem ]iinger 
Johannes, erst im höchsten Alter. Dennoch halte ich 
die Evangelien alle vier für durchaus echt, denn es ist 
in ihnen der Abglanz einer Hoheit wirksam, die von 
der Person Christi ausging und die so göttlicher Art, 
wie nur je auf Erden das Göttliche erschienen ist." 
Gegen alle solche Kritik mufs derjenige, der klug 
genug ist, um geniefsen und lernen zu wollen, sich die 
Ohren zuhalten; erst recht aber mufs der Künstler sie 
hartnäckig ignorieren. ,.Gegen die Kritik kann man 
sich weder schützen, noch wehren, man mufs ihr zum 
Trutz handeln, und das läfst sie sich nach und nach 
gefallenf") Der Künstler nrufs seine Freude zuerst im 
 Zu Riemer ISII, Bicdermann III, 32.
        

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