Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1526329
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Goethes 
Ästhetik. 
Wichtigkeit dieser Handlung. Aber inzwischen ist ihm 
als Menschen manches Wunderliche begegnet: durch 
Lehren und Strafen ist ihm aufgegangen, wie bedenklich 
es mit seinem Innern aussehe, und immerfort wird noch 
von Lehren und von Übertretungen die Rede sein, 
aber die Strafe soll nicht mehr stattliuden. Hier ist 
ihm nun in der unendlichen Verworrenheit, in die er 
sich bei dem Widerstreit natürlicher und religiöser 
Forderungen verwickeln mufs, ein herrliches Auskunfts- 
mittel gegeben, seine Thaten und Unthaiten, seine 
Gebrechen und seine Zweifel einem würdigen, eigens 
dazu bestellten Manne zu vertrauen, der ihn zu be- 
ruhigen, zu warnen, zu stärken, durch gleichfalls sym- 
bolische Strafen zu ziichtigen und ihn zuletzt durch ein 
völliges Auslöschen seiner Schuld zu beseligen und ihui, 
rein und abgewaschen, die Tafel seiner Menschheit 
wieder zu übergeben weifs. So, durch mehrere sakra- 
mentliche Handlungen vorbereitet und rein beruhigt, 
kniet er hin, die Hostie zu empfangen, und (lafs  das 
Geheimnis dieses hohen Aktes noch gesteigert werde, 
sieht er den Kelch nur in der Ferne: es ist kein ge- 
meines Essen und Trinken, was befriedigt, es ist eine 
Himmelsspeise, die nach himmlischem Tranke durstig 
macht .  Und was nun durch das ganze Leben so 
erprobt worden, soll an der Pforte des Todes alle seine 
Heilkraft zehenfach bethätigen. Nach einer von Jugend 
auf eingeleiteten, zutraulichen Gewohnheit nimmt der 
Hinfällige jene symbolischen, deutsamen Versicherungen 
mit Inbrunst an   . Zum Schlusse werden sodann, da- 
mit der ganze Mensch geheiligt sei, auch die Füfse 
gesalbt und gesegnet. Sie sollen, selbst bei möglicher 
Genesung, einen Widerwillen empfinden, diesen irdischen,
        

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