Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528837
Das 
K ritisie re] 
259 
meines ,Faustt mit der des ,Hiob' einige Ähnlichkeit, 
so ist das wiederum ganz recht, und ich bin deswegen 
eher zu loben als zu tadeln." 
Diese philologische Art, Gedichte anzusehen, hat 
Goethe auch sonst unangenehm] empfunden. „Da 
wollen sie wissen, welche Stadt am Rhein bei meinem 
,Hermann und D0rothea' gemeint sei. Als ob es nicht 
besser wäre, sich jede beliebige zu denken! Man will 
Wahrheit, man will Wirklichkeit und verdirbt dadurch 
die Poesief")  
„Die Deutschen," klagte er ein andermalf) "können 
die iPhilisterei nicht loswerden. Da quengeln und 
streiten sie jetzt über verschiedene Distichen, die sich 
bei Schiller gedruckt finden und auch bei mir, und sie 
meinen, es wäre von Wichtigkeit, entschieden helaus- 
zubringen, welche denn wirklich Schillern gehören und 
welche mir. Als 0b etwas darauf ankäme, als ob etwas 
damit gewonnen würde, und als 0b es nicht genug 
wäre, dafs die Sachen da sind! 
"Freunde wie Schiller und ich, jahrelang verbunden, 
mit gleichen Interessen, in täglicher Berührung und 
gegenseitigem Austausch, lebten sich ineinander so sehr 
hinein, dafs überhaupt bei einzelnen Gedanken gar 
nicht die Rede und Frage sein konnte, ob sie dem 
einen gehörten oder dem andern. Wir haben viele 
Distichen gemeinschaftlich gemacht, oft hatte ich den 
Gedanken und Schiller machte die Verse, oft war das 
Umgekehrte der Fall, und oft machte Schiller den einen 
Vers und ich den andern. Wie kann nun da von Mein 
und Dein die Rede sein! Man müfste wirklich selbst 
1) Eckermann, 27. Dezember 1826.  2) Eckerm; 
I6. Dezember 1828.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.