Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528820
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Goethes 
Ästhetik. 
Selbst Lord Byron, dessen starke Seite die Reflexion 
freilich nicht war, zerstückelte Goethes ,Faust' in dieser 
Philologen-Manier und wollte zeigen, wie Goethe das 
Eine hier, das Andere dort gefunden hatte. 
„Ich habe," sagte Goethe dazuf) "alle jene von 
Lord Byron angeführten Herrlichkeiten größtenteils nicht 
einmal gelesen, viel weniger habe ich daran gedacht, 
als ich den ,Faust' machte. Aber Lord Byron ist nur 
grofs, wenn er dichtet; sobald er reflektiert, ist er ein 
Kind. So weifs er sich auch gegen dergleichen ihn 
selbst betreffende unverstandige Angriffe seiner eigenen 
Nation nicht zu helfen 5 er hätte sich stärker dagegen 
ausdrücken sollen. Was da ist, das ist mein! hätte 
er sagen sollen, und 0b ich es aus dem Leben oder 
aus dem Buche genommen, das ist gleichviel; es kam 
blofs darauf an, dal's ich es recht gebrauchte! Walter 
Scott benutzte eine Scene meines ,Egmont', und er 
hatte ein Recht dazu, und weil es mitVerstand geschah, 
so ist er zu loben. S0 auch hat er den Charakter 
meiner Mignon in einem seiner Romane nachgebildet; 
ob aber mit ebenso viel Weisheit, ist eine andere Frage. 
Lord Byrons verwandelter Teufel?) ist ein fortgesetzter 
Mephistopheles, und das ist recht. Hätte er aus origineller 
Grille ausweichen wollen, er hätte es schlechter machen 
müssen. So singt mein Mephistopheles ein Lied von 
Shakespeare, und warum sollte er das nicht? Warum 
sollte ich mir die Mühe geben, ein eigenes zu erfinden, 
wenn das von Shakespeare eben recht war und eben 
das sagte, was es sollte? Hat daher auch die Exposition 
I) Eckermann, 
Transformed'. 
Januar 
1825 
In 
,The 
Deformed
        

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