Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528816
Kritisiercn. 
Das 
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die „Quellen" nachzuweisen. Als ob es bei einem 
prächtigen Gebäude sehr darauf ankomme, wer die 
Balken und Bausteine geliefert habe! „Die Frage: 
Woher hat's der Dichter? geht auch nur aufs Was, 
vom Wie erfährt dabei niemand etwasf") und doch 
wäre gerade die Erklärung, wie ein grofses Gedicht im 
Geiste eines Dichters aus allerlei Material entsteht, viel 
wünschenswerter als der Nachweis, wo er diesen oder 
jenen Gedanken aufgelesen haben könnte. Die Frage 
nach den Quellen führt weiter zu einer argen Über- 
schätzung des "Originalen". Und andrerseits möchten 
die belesenen Philologen glänzen, indem sie Gedanken, 
die auch jeder von uns leicht bildet, bei unsern Von 
gängern schon nachweisen und uns nun anhängen, wir 
hatten sie unbewufst oder bewufst dem X. oder Y. entlehnt. 
"Das ist sehr lächerlich," sagte Goethe eines Tagesß) 
"man könnte ebenso gut einen wohlgenährten Mann 
nach den Ochsen, Schafen und Schweinen fragen, die 
er gegessen und die ihm Kräfte gegeben. Wir bringen 
wohl Fähigkeiten mit, aber unsere Entwickelung ver- 
danken wir tausend Einwirkungen einer grofsen Welt, 
aus der wir uns aneignen, was wir können und was 
uns gemäfs ist. Ich verdanke den Griechen und 
Franzosen viel, ich bin Shakespeare, Sterne und Gold- 
smith Unendliches schuldig geworden. Allein damit 
sind die Quellen meiner Kultur nicht nachgewiesen; es 
würde ins Grenzenlose gehen und wäre auch nicht nötig. 
Die Hauptsache ist, dafs man eine Seele habe, die das 
Wahre liebt und die es aufnimmt, wo sie es findet." 
1) 
zember 
Maximen 
1 828. 
und 
Reflexionen. 
Eckennann,
        

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