Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528762
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Goethes 
Ästhetik. 
sehen sie oft weiter nichts als ein paar schadhafte 
Stellen. Manche Laien treten zu nahe an das Ölgemälde 
heran und verderben sich dadurch das Bild; die Kritiker 
begehen den gleichen Fehler in mancher Hinsicht. „An 
meinen Bildern müfst ihr nicht schnuffeln, die Farben 
sind ungesund," hat schon Rembrandt ausgerufen, 
Goethe zitiert das Wort mit Behagenf) Eine solche 
Schnuffelei ist z. B. die nach Fremdwörtern. Goethe 
hat selbst eifrig nach Sprachreinheit gestrebt, hat oft 
die ihm zuerst in die Feder gellossenen fremdländischen 
Worte später verdeutscht; er hatte auch Riemer Gewalt 
gegeben, in seinenjnlandschriften Fremdwörter aus- 
zumerzen. Aber er schreibt demselben Riemer doch 
auchz?)  . . allein das mufs ich Ihnen gegenwärtig 
vertrauen, dafs ich im Leben und Umgang mehr 
als einmal die Erfahrung gemacht habe, dafs es eigent- 
lich geistlose Menschen sind, welche auf die 
Sprachreinigung mit so grofsem Eifer dringen. Denn 
da sie den Wert eines Ausdrucks nicht zu schätzen 
wissen, so finden sie gar leicht ein Surrogat, welches 
ihnen ebenso bedeutend erscheint, und in Absicht auf 
Urteil haben sie doch etwas zu erwähnen und an den 
vorzüglichsten Schriftstellern etwas auszusetzen, wie es 
Halbkenner vor gebildeten Kunstwerken zu thun pflegen, 
die irgend eine Verzeichnung, einen Fehler der Per- 
spektive mit Recht oder Unrecht rügen, ob sie gleich 
von den Verdiensten des Werkes nicht das Geringste 
anzugeben wissen. Überhaupt ist hier der Fall, der 
öfters vorkömmt, dal's man über das Gute, was man 
durch Verneinung und Abwendung hervorzubringen 
Aphorismen. 
Aus Teplitz, 
Juni 
1813
        

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