Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528756
Das 
Kritisieren. 
261 
Aber können Sie denken, dafs seine nächsten Freunde 
ihn dieses Gedichtes wegen tadelten, indem sie meinten, 
es trage nicht genug von seiner Idealität?  Ja, mein 
Guter, man hat von seinen Freunden zu leiden gehabt! 
Tadelte doch Humboldt auch an meiner Dorothea, 
dafs sie bei dem Überfall der Krieger zu den Waffen 
gegriffen und dreingeschlagen habe! Und doch, ohne 
jenen Zug ist ja der Charakter des aufserordentlichen 
Mädchens, wie sie zu dieser Zeit und zu diesen Zuständen 
recht war, sogleich vernichtet, und sie sinkt in die Reihe 
des Gewöhnlichen herab.  Aber Sie werden bei weiterm 
Leben immer mehr finden, wie wenige Menschen fähig 
sind, sich auf den Fufs dessen zu setzen, was sein mufs, 
und dafs vielmehr alle nur immer das loben und das 
hervorgebracht wissen wollen, was ihnen selber gemäfs 
ist." 
In gröberer Form finden wir bei Weniger gebildeten 
Leuten, dafs sie den Künstler nach den Illusionen be- 
urteilen, die er ihnen giebt, und nach den Schineicheleien, 
die er ihnen sagt. Schon 1786 erkennt Goethe: „Man 
verdient wenig Dank von den Menschen, wenn man ihr 
inneres Bedürfnis erhöhen, ihnen eine grofse Idee von 
ihnen selbst geben, ihnen das Herrliche eines wahren, 
edeln Daseins zum Gefühl bringen will. Aber wenn 
man die Vögel belügt, Märchen erzählt, von Tag zu 
Tag ihnen forthelfend sie verschlechtert, da ist man ihr 
Mannf") 
Zu 
Haften 
den üblichsten Fehlern 
an Kleinigkeiten. Von 
der Kritiker gehört das 
einer herrlichen Kirche 
Ital. 
Reise, 
Vicenza, 
September 
1786.
        

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