Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528746
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Goethes 
Ästhetik. 
Richtersttihl der Sittlichkeit, vor welchen ihn eigentlich 
nur seine Frau und Kinder, seine Hausgenossen, allen- 
falls Mitbürger und Obrigkeit zu fordern hätten. Niemand 
gehört als sittlicher Mensch der Welt an. Die schönen, 
allgemeinen Forderungen mache ]eder an sich selbst; 
was daran fehlt, berichtige er mit Gott und seinem 
Herzen, und von dem, was an ihm wahr und gut ist, 
überzeuge er seine Nächsten. Hingegen als das, wozu 
ihn die Natur besonders gebildet, als Mann von Kraft, 
Thätigkeit, Geist und Talent, gehört er der Welt. Alles 
Vorzügliche kann nur für einen unendlichen Kreis 
arbeiten, und das nehme denn auch die Welt mit Dank 
an und bilde sich nicht ein, dafs sie befugt sei, in irgend 
einem anderen Sinne zu Gericht zu sitzenf") , 
Auch wenn er die Person des Urhebers ganz bei- 
seite läfst, vergreift sich der moralisierende Idealist in 
der Kritik sehr leicht, weil er sein Ideal forciert, wo der 
Künstler Wahrheit zu geben verpflichtet ist. Man ist 
leicht enttäuscht, wenn uns der Dichter bei politischen 
oder moralischen oder sonstigen Entwickelungen nicht 
das bietet, was wir wünschen, sondern statt des idealen 
Seinsollenden das wahrhafte Sein. Eckermann erfreute 
sich eines Morgens an des ,Nadowessiers Toten- 
liedä „Sie sehen," sagte Goethe dazuf) „wie Schiller 
ein grofser Künstler war und wie er auch das Objektive 
zu fassen wufste, wenn es ihm als Überlieferung vor 
Augen kam. Gewifs, die ,Naclowessische Tbtenklaget 
gehört zu seinen allerbesten Gedichten, und ich wollte 
nur, dafs er ein Dutzend in dieser Art gemacht hätte. 
Anmerkungen zu Ramenu, 
2) Eckcrrnann, 
März 1 829.
        

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