Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1526319
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1crum. 
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Viel prosaischer und grauer spann das Leben in 
Deutschland sich ab, von gelegentlichen Festen mit ihrem 
Aufputz und Maskenspiel nur sonderbar unterbrochen, aber 
der religiöse Kultus, und besonders das Zeremonialwesen 
der katholischen Kirche, bewährte sich doch auch da- 
heim als eine ständig wirksame poetische Umkleidung 
des menschlichen Lebens und seiner zwar ehrwürdigen, 
aber doch auch unanschaulichen Grundwahrheiten. Die 
Sakramente sind das Höchste der Religion, denn sie 
sind sinnliche Symbole einer aufserordentlichen gött- 
lichen Gunst und Gnadel) So sollen im Abendmahle 
die irdischen Lippen ein göttliches Wesen verkörpert 
empfangen und unter der Form irdischer Nahrung einer 
himmlischen teilhaftig werden. Und mit solchen irdischen 
Abbildern der höchsten Dinge umgiebt die katholische 
Kirche das ganze Dasein ihrer Gemeindeglieder. „Hier 
reicht ein jugendliches Paar sich einander die Hände, 
nicht zum vorübergehenden Grufs oder zum 'l'anze; 
der Priester spricht seinen Segen darüber aus, und das 
Band ist unauflöslich. Es währt nicht lange, so bringen 
diese Gatten ein Ebenbild an die Schwelle des Altars; 
es wird mit heiligem Wasser gereinigt und der Kirche 
dergestalt einverleibt, dafs es diese Wohlthat nur durch 
den ungeheuersten Abfall verscherzen kann. Das Kind 
übt sich im Leben an den irdischen Dingen selbst her- 
an, in himmlischen mufs es unterrichtet werden. Zeigt 
sich bei der Prüfung, dafs dies vollständig geschehen 
sei, S0 Wird es nunmehr als wirklicher Bürger, als 
wahrhaftei" und freiwilliger Bekenner in den Schofs der 
Kirche aufgenommen, nicht ohne äufsere Zeichen der 
1) Aus meinem Leben II, 7. 
W. Bude, Goethes Ästhetik,
        

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