Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528712
Das 
Kritisiercn. 
257 
„Ein deutscher Schriftsteller  ein deutscher Mär- 
tyrer!" sagte er in seinen letzten Iahren zu Eckermannß) 
 mein Guter, Sie werden es nicht anders finden. Und 
ich selbst kann mich kaum beklagen; es ist allen Andern 
nicht besser gegangen, den meisten sogar schlechter, 
und in England und Frankreich ganz wie bei uns. Was 
hat nicht Moliere zu leiden gehabt, und was nicht 
Rousseau und Voltaire! Byron ward durch die bösen 
Zungen aus England getrieben und würde zuletzt ans 
Ende der Welt geflohen sein, wenn ein früher Tod ihn 
nicht den Philistern und ihrem Hafs enthoben hätte." 
„Und wenn noch die bornierte Masse höhere 
Menschen verfolgte! Nein, ein Begabter und ein 
Talent verfolgt das andere. Platein ärgert Heine und 
Heine Platen, und jeder sucht den Andern schlecht 
und verhafst zu machen, da doch zu einem friedlichen 
Hinleben und Hinwirken die Welt grofs und weit genug 
ist, und jeder schon an seinem eigenen Talent einen 
Feind hat, der ihm hinlänglich zu schaffen macht!" 
Der Parteigeist zeigt sich besonders auch als 
Carneraderie; das Sprichwort "Eine Hand wäscht die 
andere" wird auch in die hohen Gefilde der Kunst 
und Wissenschaft hinaufgetragen. Gar mancher richtet 
die Ergebnisse seines Denkens danach ein, dal's er 
äufserliclie Vorteile, Stellung und Reichtum gewinne. 
"Ich hätte die Erbärmlichkeit der Menschen und 
Wie wenig es ihnen um wahrhaft grofse Zwecke zu 
thun ist, nie so kennen gelernt," meinte Goethef) „wenn 
ich mich nicht durch meine naturwissenschaftlichen 
Bestrebungen an ihnen versucht hätte. Da aber sah 
1) 14. März 1830.  2) 
W. Bode, Goethes Ästhetik. 
Eckermann, 
Oktober 
1 7 
1825.
        

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