Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528685
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Ästhetik. 
Goethes 
wunderbare Reise nicht, um mich selbst zu betrügen, 
sondern um mich an den Gegenständen kennen zu 
lernen: da sage ich mir denn ganz aufrichtig, dal's ich 
von der Kunst, von dem Handwerk des Malers wenig 
verstehe." S0 sollte jeder Kritiker sich immer wieder 
fragen, 0b nicht die Schuld an ihm selber liegt, wenn 
ein Kunstwerk nicht zu ihm spricht. "Wer einem Autor 
Dunkelheit vorwerfen will, sollte erst sein eigenes Innere 
beschallen, ob es denn auch da recht hell ist. In der 
Dämmerung wird eine sehr deutliche Schrift unlesbar." 1) 
Aber: 
"Sie sagen: ,Das mutet mich nicht an!' 
Und meinen, sie hiitterfs abgethanß)" 
Schlimmer noch, wenn der Kritiker, weil er an das 
Werk des Autors nicht heranreicht, es irgendwie in 
seiner Phantasie und seinem Berichte karikiert, um es 
in seiner entstellten Form leicht abzuthun. Auch Goethe 
hatte zu klagen: 
"Sie haben mir meine Gedanken verdorben 
Und sagen: sie hätten mich widerlegt." 
Die Kritiker vergessen gar gern, dafs sie vielleicht 
vor dem Künstler sich wie vor einem Fürsten zu ver- 
neigen alle Ursache hätten. Sie treiben ihr Geschäft 
ja nicht blofs an den Unbedeutenden, sondern oft gar 
an Heroen wie etwa Sophokles. Und doch: "Wenn 
ein moderner Mensch an einem so grofsen Alten Fehler 
zu rügen hätte, sollte es billig nicht anders geschehen, 
als auf den Knieen." a) 
1) Aphorismen.  2) Gedichte. 
mann, 28. März 1827. 
Sprichwörtlich.  3) Ecker-
        

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