Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528550
Das 
Geniefsen 
Kunstwerke. 
der 
241 
des Aufwärtsdringens nicht ausbleibt. Goethe _war 
dankbar, dafs er in jungen Iahren in Leipzig, Dresden 
und Mannheim" Gipsabgüsse mancher antiken Werke 
hatte sehen können. „Diese edeln Gestalten waren 
eine Art von heimlichem Gegengift, wenn das Schwache, 
Falsche, Manierierte über mich zu gewinnen drohtef") 
Aber der Unterschied zwischen Original und Abgufs 
ist erstaunlich. 
„Auf jeden, der ein zwar ungeübtes, aber für das 
Schöne empfängliches Auge hat, wird ein stumpfer, 
unvollkommener Gipsabgufs eines trefflichen alten Werkes 
noch immer eine grofse Wirkung thun; denn in einer 
solchen Nachbildung bleibt doch immer die Idee, die 
Einfalt und Größe der Form, genug das Allgemeinste 
noch übrig, soviel als man mit schlechten Augen allen- 
falls in der Ferne gewahr werden könnte. Man kann 
bemerken, dais oft eine lebhafte Neigung zur Kunst 
durch solche ganz unvollkommenen Nachbildungen ent- 
zündet wird. Allein die Wirkung ist dem Gegenstande 
gleich: es wird mehr ein dunkles, unbestimmtes Gefühl 
erregt, als dafs eigentlich der Gegenstand in seinem 
Wert und in seiner Würde solchen angehenden Kunst- 
freunden erscheinen sollte. Solche sind es, die ge- 
wöhnlich den Grundsatz äußern, dafs eine allzugenaue 
kritische Untersuchung den Genufs zerstöre; solche 
sind es, die sich gegen eine Würdigung des Einzelnen 
zu sträuben pflegen. Wenn ihnen aber nach und nach, 
bei weiterer Erfahrung und Übung, ein scharfer Abgufs 
statt eines stumpfen, ein Original statt eines Abgusses 
vorgelegt wird, dann wächst mit der Einsicht auch das 
L 
1) Ital. Reise, Bericht vom 
YV. Bode. Goethes Ästhetik. 
April 
1788.
        

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