Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1526299
um 
Schönheit 
11115 
herum. 
15 
Schon in Venedig hatte Goethe bewundert, wie das 
italienische Volk das Leben in ein Schauspiel zu ver- 
wandeln versteht. Da sah er z. B. eine Galeere, deren 
einziger Zweck es war, die Häupter der kleinen Republik 
am feierlichsten Tage zum Sakrament ihrer hergebrachten 
Meerherrschaft zu tragen. 1) Das Schiff war ganz Zierat, 
ganz vergoldetes Schnitzwerk, eine wahre Monstranz, 
um dem Volke seine Häupter recht herrlich zu zeigen. 
„Wissen wir doch, das Volk, wie es gern seine Hüte 
schmückt, will auch seine Obern gern prächtig und 
geputzt sehen." 
Zwei Tage später war der Reisende bei dem Hoch- 
amte, dem der Doge jährlich am siebenten Oktober 
wegen eines alten Sieges über die Türken in der Kirche 
der heiligen Justina beiwohnen mufs. „Wenn an dem 
kleinen Platz die vergoldeten Barken landen, die den 
Fürsten und einen Teil des Adels bringen, seltsam ge- 
kleidete Schiffer sich mit rotbemalten Rudern be- 
mühen, am Ufer die Geistlichkeit, die Brüderschaften 
mit angezündeten, auf Stangen und tragbare silberne 
Leuchter gesteckten Kerzen stehen, drängen, wogen 
und warten, dann mit "leppichen beschlagene Brücken 
aus den Fahrzeugen ans Land gesteckt werden, zuerst 
die langen violetten Kleider der Savj, dann die langen 
roten der Senatoren sich auf dem Pflaster entfalten, 
zuletzt der Alte, mit goldener phrygischer Mütze ge- 
schmückt, im längsten goldenen 'l'alar, mit dem HEIDICllD- 
mantel aussteigt, drei Diener sich seiner Schleppe bee 
mächtigen, alles auf einem kleinen Platz vor dem Portal 
einer Kirche, vor deren Thüren die 'l'ürkenfahnen 
Ilal. 
Reise 
Oktober 
1786
        

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