Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528514
Das 
Geniefsen 
Kunstwerke. 
der 
237 
aus, die alles beherrscht und von der niemand imstande 
ist, sich Rechenschaft zu geben."   
-Wer die Künstler und die Kulturen der Menschheit 
kennt, wird aus solchen Thatsachen seine Schlüsse 
ziehen. Er wird solchen Kunstwerken aus dem Wege 
gehen, die aus düstern, wilden, trostlosen Epochen der 
Völker stammen, z. B. der mittelalterlichen Baukunst 
und Dichtung, wenn er den Geist des Mittelalters nicht 
liebt. Er wird ferner früh genug fragen, 0b ein Autor, 
dem er sich anvertrauen soll, ein abgeklärter, heiterer, 
wohlwollender Charakter gewesen oder etwa ein Mann 
von ungezügelter Leidenschaft, von verbissenem Hafs, 
von gedrückteln, mifstrauischem Wesen oder eine Frau 
von jener unerquicklichen männlich-weiblichen Halb- 
natur, wie wir sie unter Schriftstellerinnen oft fmdenÄ) 
Goethe nahm beim Lesen ihrer Produkte die Stimmung 
der Schriftstellerin an und befand sich herzlich schlecht 
dabei, und uns Anderen wird es nicht besser gehen. 
Aus dem Kunstfreunde wird zuweilen ein Kunst- 
kenner, und diesem erschliefsen sich neue Arten des 
Kunstgenusses. Wie aber kann man ein Kenner werden? 
Viel Sehen, Lesen und Hören, viele Theater und Samm- 
lungen Besuchen genügt noch nicht. Berufen ist erst 
derjenige, „der sich selbst verleugnen, sich den Gegen- 
ständen unterordnen kann, der nicht mit einem starren, 
beschränkten Eigensinn sich und seine klägliche Ein- 
seitigkeit in die höchsten Werke der Natur überzutragen 
Schiller 
an 
Goethe, 
Juli 
1798.
        

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