Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528500
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Goethes 
Ästhetik. 
vor sich hingesungenen Halbunsinn", und wo er von 
überirdischen oder wunderlichen Dingen handelt, hat 
er auch in vollem Bewufstsein das Klar-Verständige 
vermieden.  
Der Kanzler v. Müller luörte ihn oft behaupten, "ein 
Kunstwerk, besonders ein Gedicht, das nichts zu er- 
raten übrig lasse, sei kein wahres, vollwürdiges; seine 
höchste Bestimmung bleibe immer, zum Nachdenken 
aufzureizen, und nur dadurch könne es dem Beschauer 
oder Leser recht lieb werden, wenn es ihn zwinge, nach 
eigener Sinnesweise es sich auszulegen und gleichsam 
ergänzend nachzuschaffenf") 
Von Hafls rühmt Goethe dieselbe Art. Noch heute 
singen Kamel- und Maultiertreiber die Lieder des 
Hans, "keineswegs um des Sinnes halber, den er selbst 
mutwillig zerstückelt, sondern der Stimmung wegen, 
die er ewig rein und erfreulich verbreitetfü) Nament- 
lich unter den Volksliedern finden wir in allen Ländern 
"nonsensikalische", die auf das Gemüt eine wunderbare 
Wirkung haben. Gerade im Unverständlichen scheinen 
die Dämonen zu wirken. Zu Eckermann sagte Goethe 
im höchsten Alter einmalzß) „In der Poesie ist durch- 
aus etwas Dämonisches, und zwar yorzüglicli in der 
unbewufsten, bei der aller Verstand und alle Vernunft 
zu kurz kommt, und die daher auch so über alle Be- 
griffe wirkt. Desgleichen ist es in der Musik im höchsten 
Grade, denn sie steht so hoch, dafs kein Verstand ihr 
beikommen kann, und es geht von ihr eine Wirkung 
1) v. Müller, Goethes Persönlichkeit, 
zum Divan.  3) 8. März 1831. 
drei Reden. 
2) Noten
        

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