Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528499
Das 
Genicfsen 
Kunstwerke. 
der 
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er uns mitteilte. Denn es ist mit_der Schauspielkunst 
wie mit allen übrigen Künsten. Was der Künstler thut 
oder gethan hat, setzt uns in die Stimmung, in der er 
selber war, da er es machte. Eine freie Stimmung des 
Künstlers macht uns frei, dagegen eine beklommene 
macht uns bänglich. Diese Freiheit im Künstler ist 
gewöhnlich dort, wo er ganz seiner Sache gewachsen 
ist, weshalb es uns denn bei niederländischen Gemälden 
so wohl wird, indem jene Künstler das nächste Leben 
darstellten, wovon sie vollkommen Herr waren. Sollen 
wir nun im Schauspieler diese Freiheit des Geistes 
empfinden, so mufs er durch Studium, Phantasie und 
Naturell vollkommen Herr seiner Rolle sein, alle körper- 
lichen Mittel müssen ihm zu Gebote stehen, und eine 
gewisse jugendliche Energie mufs ihn unterstützen." 
Bei den verschiedensten Künsten, auch bei solchen, 
von denen keine Ästhetik spricht, haben wir einen 
schönen Genufs, sobald wir grofse, die gewöhnlichen 
Kräfte übersteigende Aufgaben spielend erfüllt sehen; 
man denke an Akrobaten, Jongleure, Zirkusreiter, Kraft- 
künstler, Tierbändiger. Goethe meint sogar: "Das 
Schwierige leicht behandelt zu sehen, giebt uns das 
Anschauen des Unmöglichen." Und wer sähe "Wunder" 
nicht gern? 
Weil das Kunstwerk nicht eigentlich "Verständnis 
finden," sondern Emplindung und Stimmung erwecken 
soll, da es ja aus solchen hervorgeht und nicht aus 
Verstandesthätigkeiten, so braucht auch ein Gedicht 
nicht verständlich oder verständig zu sein. Auch Goethe 
"hat zuweilen Halbunsinn gedichtet und als vollwertig in 
seine gesammelten Werke aufgenommen. ,Wanderers 
Sturmlied" z. B. nennt der Dichter selber "leidenschaftlich
        

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