Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528452
Das 
Geniefsen 
der 
Kunstwerke. 
231 
wundeten Leiber der heiligen Märtyrer. Worauf der 
Künstler Wert gelegt hat, müssen wir immer zuerst 
bedenken. "Bei Betrachtung der Bilder mufs man zuerst 
fragen, was wollte der Künstler mit diesem Bilde 
sagen? Man inufs die Idee des Künstlers sich eigen 
zu machen streben und nicht kleine, in Eile hingeworfene 
Verzeichnisse aufsuchen und hierauf sein Urteil gründen." 1) 
Viele Kunstwerke können wir erst ineinem höheren 
Lebensalter, nach ernsten Lebenserfahrungen, nach einer 
vielseitigen Ausbildung richtig aufnehmen. Diese Er- 
fahrung gilt für Einzelne und für ganze Nationen. Nie- 
mand wufste das besser als Goethe, denn er hatte ja 
erlebt, dal's seine ]ugendiverke sofort zündeten, während 
für seine späteren Arbeiten nur winzig kleine Teile der 
Nation reif waren. Das Volk konnte sich nicht so 
schnell verfeinern wie der durch sein Genie und be- 
sondere Verhältnisse so sehr begünstigte einzelne Dichter. 
Schon Herder urteilte: „Im ganzen ist der Silberbleistift 
von Goethe für das heutige Publikum zu zart; die Striche, 
die er zieht, sind zu fein, zu unkenntlich, ich möchte 
fast sagen: zu Lttherisch. Das an so arge Vergröberungen 
gewöhnte Auge kann sie deshalb zu keinem Charakter- 
bilde zusammenfassen. Die jetzige litterarische Welt 
will durchaus mit einem reich ergiebigen Farbenquast 
bedient sein." Als Falk dieses Urteil Goethen wieder 
sagtef) antwortete er: „Das hat der Alte gut und recht 
aufgefafst." Und fünfzehn Jahre später sagte Goethe 
Ü 
1822 zu Grüner, 
Bicdermann, III, 
1) 22. August 
25. Januar 1813, 
Biedermann 
56. 
198,
        

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