Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528447
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Goethes 
Ästhetik. 
er die Bauten des italienischen Architekten Palladio 
auf. „lch habe nichts Höheres, nichts Vollkommeneres 
gesehnl" ruft er begeistert ausf) vier Tage später ge- 
steht er zu: „An den ausgeführten Werken Palladios, 
besonders an den Kirchen, habe ich manches Tadelns- 
würdige neben dem Köstlichsten gefunden," aber er 
fährt fort: "Wenn ich nun so bei mir überlegte, in- 
wiefern ich recht oder unrecht hätte gegen einen solchen 
aufserorrlentlichen Mann, so war es, als ob er dabei 
stände und mir sagte: Das und das habe ich wider 
Willen gemacht, aber doch gemacht, weil ich unter den 
gegebenen Umständen nur auf diese Weise meiner 
höchsten Idee am nächsten kommen konnte." Ebenso 
sah Goethe damals auch die Werke der italienischen 
Maler an. Er war durchaus nicht gegen alle frommen 
Gemälde; die Madonna mit dem Kinde war ihm ein 
Lieblingsgegenstand; der jünger, der auf den Wellen 
schreiten kann, so lange er glaubt, und dergleichen 
Stoffe, die zugleich Schönes, Erfreuliches, beständig 
Gültiges darbieten, wollte er auch gern im christlichen 
Gewande gemalt haben, aber einen förmlichen Abscheu 
hatte er vor den nicht wenigen geistlichen Bildern, die 
an den Rabenstein und den Schindanger erinnern und 
uns nur Bosheit und schmähliches Leiden der Menschen 
vorführen?) Da suchte denn sein Auge, um auch hier 
noch Gewinn zu haben, nach den Nebenfiguren, die 
der Künstler aus eigener Neigung hinzugefügt, oder er 
bewunderte die Faltenmäntel, die der Maler mit gröfserer 
Lust gemalt als die grämlichen Gesichter und die ver- 
1) Ital, Reise, Venedig, 
Bologna, I9. Oktober 1786. 
Oktober 
1786. 
Ital, 
Reise,
        

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