Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528426
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Ästhetik. 
Goethes 
ist ganz natürlich. Der alte Wieland scherzte: „Man 
könnte die Leute wohl amusieren, wenn sie nur amusabel 
wären";') Goethe sagt uns die gleiche Wahrheit aus- 
führlicher und ernster?) 
„]eder Dichter baut sein Werk aus Elementen zu- 
sammen, die freilich der eine organischer zu verflechten 
vermag als der andere, doch kommt es auch viel auf 
den Beschauer an, von welcher Maxime dieser ausgeht. 
Ist er zur Trennung geneigt, so zerstört er mehr oder 
weniger die Einheit, welche der Künstler zu erringen 
strebt; mag er lieber verbinden, so hilft er dem Künstler 
nach und vollendet gleichsam dessen Absicht. Man 
kann in Rafaelischen Freskogemalden zeigen, wie sie 
teilweise ausgeführt worden, wie die Arbeit dem Künstler 
einen Tag besser gelang als den andern; dazu mufs 
man aber das Bild ganz nah untersuchen, und jedes 
Bild will doch aus einiger Ferne genossen sein. Wenn 
gewisse mechanische Behandlungsweisen, wie Kupferstich 
und Mosaik, in der Nahe vor dem Auge sich in ihre 
technischen Atome zerlegen, so fallen die höchsten Kunst- 
werke, Odyssee und Ilias, vor dem Scharfblick eines 
trennenden Kritikers auseinander. ja, wer wird leugnen, 
dafs selbst Sophokles manchmal seine Purpurgewänder 
mit weifsem Zwirn zusammengenäht habe! Das alles 
soll nur soviel andeuten, dafs der Dichter, besonders 
der moderne, der lebende, Anspruch an die Neigung 
des Lesers, des Beurteilers machen und voraussetzen 
darf, dafs man konstruktiv mit ihm verfahre und nicht 
durch eine disjunktive Methode ein zartes, vielleicht 
1) Eckermann, 24. Sept. 1827.  
September 1804, Weim. Ausg. IV, 
 a) Brief 
I7, 196. 
311 
Eichstädt,
        

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