Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528373
Das 
Genießen 
Kunstwerke. 
der 
223 
Persönlichkeit; sollte ein solches wohlwollendes Ent- 
gegenkommen nicht lohnend sein, so sind wir ja 
nicht verpflichtet, uns mit ihm zu beschäftigen. Wir 
dürfen nie verlangen, dafs ein Mensch vollkommen mit 
uns harmoniere oder dafs ein gröfseres Kunstwerk 
uns in allen Teilen gefalle. Goethes Spott darf nicht 
auf uns passen: „Das Publikum will wie Frauenzimmer 
behandelt sein; man soll ihnen durchaus nichts sagen, 
als was sie hören möchtenf") Wie könnte z. B. ein 
Theater ein gutes Repertoire haben, wenn sich das 
Publikum nicht mancherlei gefallen läfst? Goethe 
wünscht deshalb, „dafs der Zuschauer einsehen lerne, 
nicht eben jedes Stück sei wie ein Rock anzusehen, 
der dem Zuschauer völlig nach seinen gegenwärtigen Be- 
dürfnissen auf den Leib gepafst werden müsse. Man 
sollte nicht gerade immer sich und sein nächstes Geistes-, 
Herzens- und Sinnesbedürfnis auf dem Theater zu be- 
friedigen gedenken; man könnte sich vielmehr öfters 
wie einen Reisenden betrachten, der in fremden Orten 
und Gegenden, die er zu seiner Belehrung und Ergötzung" 
besucht, nicht alle Bequemlichkeit findet, die er zu Hause 
seiner Individualität anzupassen Gelegenheit hattef") 
Unser Dichter, der oft mit aufrichtigem Herzen die 
Gottheit rühmte, weil sie über Menschen von allerlei Art 
die Sonne scheinen und den Regen fallen läfst, ruft 
auch den einseitigen Kunstliebliabern zu: 
"Wenn Gott so schlechter Nachbar wäre, 
Als ich bin und als du bist, 
Wir hätten beide wenig Ehre; 
Der läfst einen Icclen, wie er 
ist. 
1) Biaximcn und Reflexionen. 
Divan VI, I7. 
9) WVeimarisches Hoftheater.
        

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