Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528365
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Goethes 
Ästhetik. 
der Kräfte des 
verzeihen ist." 
ausübenden Personals, 
der 
gar 
nicht 
Zll 
Eckermann berichtet uns,') dal's Goethe bei diesem 
Thema in eine Wärme geriet, wie sie ihn bei seiner 
grofsen Ruhe selten anwandelte. 
„In Italien," fuhr er fort, „giebt man eine und die- 
selbe Oper vier bis sechs Wochen lang jeden Abend, 
und die italienischen grofsen Kinder verlangen darin 
keineswegs eine Änderung. Der gebildete Pariser sieht 
die klassischen Stücke seiner grofsen Dichter so oft, 
dafs er sie auswendig weifs und für die Betonung einer 
jeden Silbe ein geübtes Ohr hat. Hier in Weimar hat 
man mir wohl die Ehre erzeigt meine ,Iphigenie' und 
meinen ,Tasso' zu geben, allein wie oft? Kaum alle 
drei bis vier Jahre einmal. Das Publikum findet sie 
langweilig. Sehr begreillich. Die Schauspieler sind nicht 
geübt, die Stücke zu spielen, und das Publikum ist 
nicht geübt, sie zu hören. Würden die Schauspieler 
durch öftere Wiederholung sich in ihre Rollen soi 
hineinspielen, dafs die Darstellung ein Leben gewönne, 
als wäre es nicht eingelernt, sondern als entquölle alles 
aus ihrem eigenen Herzen, so würde das Publikum 
sicher auch nicht ohne Interesse und ohne Empünclung 
bleiben."  
Zu den Rechten, die der Künstler an uns hat, ge- 
hört namentlich, dafs wir ihm seine Individualität 
gönnen. Wir müssen ihm die Eigentümlichkeiten seiner 
Heimat, seines Zeitalters, seines Standes zugestehen und 
dann auch die besonderen Ecken und Kanten seiner 
März 
1825-
        

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