Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528354
Genie fscn 
Das 
der 
Kunstwerke. 
221 
ab, dafs man die Fähigkeit, es zu empfinden, bei sich 
auf alle Weise erhalten sollte. Denn einen solchen 
Genufs kann niemand ganz entbehren, und nur die Un- 
gewohntheit, etwas Gutes zu geniefsen, ist Ursache, dafs 
viele Menschen schon am Albernen und Abgeschmackten, 
wenn es nur neu ist, Vergnügen finden. Man sollte 
alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes 
Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn 
es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte 
sprechenf") 
Eine grofse Anforderung Goethes an die Zeit, den 
Ernst und den guten Willen des Publikums ist auch 
die, dafs es immer wieder bereit sein sollte, bekannte 
Stücke noch einmal zu hören. Wohl wufste er, dafs 
die Menge nur das Neue liebt, an der ganzen Poesie 
und Kunst eben nichts als das Neuef) aber dagegen 
eben kämpfte er an. "Wenn das Publikum ein gutes 
Stück zwanzigmal wiederholt sehen möchte, so würde 
der Autor nicht genötigt sein, sich in zwanzig neuen 
Stücken zu wiederholen."3) Aber viel wichtiger ist 
freilich der Schaden für die Schauspieler. 
„Die Sucht, immer etwas Neues haben und ein mit 
unsäglicher Mühe einstudiertes gutes Stück oder Oper 
nur einmal, höchstens zweimal sehen zu wollen, oder 
auch zwischen solchen Wiederholungen lange Zeiträume 
von sechs bis acht Wochen verstreichen zu lassen, wo 
denn immer wieder ein neues Studium nötig wird, ist 
ein wahrer Verderb des Theaters und ein Mifsbrauch 
 Serlo in Wilhelm Meisters Lehrjahren, 
2) Brief Goethes an Kirms, I5. Oktober 1798, 
13, 291.  3) Zu Riemer, 13. Juli 1810. 
Kap.  
Ausg. IV
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.