Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528348
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Ästhetik. 
Goethes 
jenaischen Studenten bei der ersten Aufführung der 
,Braut von Messina' ihren Beifall allzulaut gezeigt hatten, 
rügte er das gegen einen ihrer Vorgesetztenf) „Bei 
uns kann kein Zeichen der Ungeduld stattfinden, das 
Mifsfallen kann sich nur durch Schweigen, der Beifill 
nur durch Applaudieren bemerklich machen; kein Schau- 
spieler kann hervorgerufen, keine Arie kann zweimal 
gefordert werden." Am meisten waren in diesem Falle 
Goethe und Herzog Karl August darüber entrüstet, dal's 
der junge Dr. Schütz in seiner Begeisterung ein Vivat 
auf den Dichter ausgebracht hatte. Sie liefsen ihn denn 
auch vernehmen, "wie er, als Eingeborener, dem die 
Sitten des hiesigen Schauspielhauses bekannt sein müfsten, 
sich solche Unregelmäßigkeit hätte erlauben können." 
Seinem Vater aber, dem Hofrat Professor Schütz, wurde 
im Namen Serenissimi mitgeteilt: „Höchstdieselben hätten 
sich von ihm versprochen, dafs sein Sohn besser gezogen 
sein würde." Wir möchten jetzt vielleicht für den jungen 
Bewunderer Schillers Partei nehmen, aber wer will den 
Grundsatz Goethes und seines fürstlichen Freundes 
mifsbilligen, dafs ernsten Darbietungen der Bühne der 
Charakter feierlicher Weihe nicht geraubt werden solle? 
Man müsse mit der Kunst inVerhältnis, Übung und Ge- 
wohnheit bleiben, lasen wir eben in dem Briefe an Schiller. 
„Der Mensch ist so geneigt, sich mit dem Gemeinsten 
abzugeben, Geist und Sinne stumpfen sich so leicht 
gegen die Eindrücke des Schönen und Vollkommenen 
1) Brief an Major 
März 1803, Wcim. 
Kommandant 
204. 
von Hendrich, 
Ausg. IV, I6, 
VOII 
Jena,
        

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