Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1526275
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Kommoden in den geringsten Hausern sind auf ver- 
goldetem Grund mit bunten Blumen geziert; sogar die 
einspännigen Kaleschen hochrot angestrichen, das 
Schnitzwerk vergoldet, die Pferde davor mit gemachten 
Blumen, hochroten Quasten und Rauschgold ausgeputzt. 
Manche haben Federbüsche, andere sogar kleine Fähnchen 
auf den Köpfen, die sich im Laufe nach jeder Be- 
wegung drehen. Wir pflegen gewöhnlich die Lieb- 
haberei zu bunten Farben barbarisch und geschmacklos 
zu nennen: sie kann es auch auf gewisse Weise sein 
und werden, allein unter einem recht heitern und blauen 
Himmel ist eigentlich nichts bunt; denn nichts vermag 
den Glanz der Sonne und ihren Widerschein im Meere 
zu überstrahlen. Die lebhafteste Farbe wird durch das 
gewaltige Licht gedämpft, und weil alle Farben, jedes 
Grün der Biiume und Pflanzen, das gelbe, braune, rote 
Erdreich in völliger Kraft auf das Auge wirken, so 
treten dadurch selbst die farbigen Blumen und Kleider 
in die allgemeine Harmonie. Die scharlachnen Westen 
und Röcke der Weiber von Nettuno, mit breitem Gold 
und Silber besetzt, die anderen farbigen National- 
trachten, die gemalten Schiffe, alles scheint sich zu be- 
eifern, unter dem Glanze des Himmels und des Meeres 
einigermaßen sichtbar zu werden. 
„Und wie sie leben, so begraben sie auch ihre 
Toten; da stört kein schwarzer langsamer Zug die 
Harmonie der lustigen Welt. Ich sah ein Kind zu 
Grabe tragen. Ein rotsamtner grofser, mit Gold breit 
gestickter Teppich überdeckte eine breite Bahre; dar- 
auf stand ein geschnitztes, stark vergoldetes und ver- 
silbertes Kästchen, worin das weifsgekleidete Tote mit 
rosenfarbenen Bändern ganz überdeckt lag. Auf den
        

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