Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528337
Das 
Genießen 
Kunstwerke. 
der 
219 
Nataliens Oheim, von dem wir in ,Wilhelm Meisters 
Lehrjahrent lesen, 1) verstand sich besser auf das Geniefsen. 
„Er konnte nicht ohne Musik, besonders nicht ohne 
Gesang leben und hatte dabei die Eigenheit, dafs er 
die Sänger nicht sehen wollte. Er pllegte zu sagen: 
Das Theater verwöhnt uns gar zu sehr; die Musik dient 
dort nur gleichsam dem Auge, sie begleitet die Be- 
wegungen, nicht die Empfindungen. Bei Oratorien und 
Konzerten stört uns immer die Gestalt des Musikus; 
die wahre Musik ist allein fürs Ohr; eine schöne Stimme 
ist das Allgemeinste, was sich denken läfst, und indem 
das eingeschränkte Individuum, das sie hervorbringt, 
sich vors Auge stellt, zerstört es den reinen Effekt 
jener Allgemeinheit. Ich will jeden sehen, mit dem ich 
reden soll, denn es ist ein einzelner Mensch, dessen 
Gestalt und Charakter die Rede wert oder unwert macht; 
hingegen wer mir singt, soll unsichtbar sein; seine Gestalt 
soll mich nicht bestechen oder irre machen    Ebenso 
wollte er auch bei Instrumentalmusiken die Orchester 
so viel als möglich versteckt haben, weil man durch 
die mechanischen Bemühungen und durch die not- 
dürftigen, immer seltsamen Gebärden der Instrumenten- 
spieler so sehr zerstreut und verwirrt werde. Er pflegte 
daher eine Musik nicht anders als mit zugeschlossenen 
Augen anzuhören, um sein ganzes Dasein auf den 
einzigen, reinen Genufs des Ohrs zu konzentrieren." 
S0 lange Goethe dem Theater Vorstand, duldete er 
auch nicht, dafs die Zuschauer durch ihre Gefühls- 
ausbrüche die Wirkung der Bühnenwerke störten; mehr 
als einmal hat er der Galerie Ruhe geboten. Als die 
VIII, 
Kap
        

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