Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528320
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Ästhetik. 
Goethes 
aber nur einmal 
Kommt 
herein" 
Begrüfst dic heilige Kapelle! 
Da ist's auf einmal farbig helle; 
Geschieht" und Zierat glänzt in Schnelle. 
Bedeutend Wirkt ein edler Schein. 
Gottes taugen ; 
die Augen F") 
Dies wird euch Kindern 
Erbaut euch und ergötzt 
S0 sah Goethe das Empfangen der Kunst als etwas 
Feierliches an, und ebenso, wie wir in einer Kirche die 
Störung des Gottesdienstes als eine Roheit empfinden, 
so ging es ihm, wenn kleinliche Menschlichkeit sich 
störend zwischen die Eindrücke erhabener Kunst drängte. 
In dieser Hinsicht war das Publikum zu seiner Zeit 
ebenso wenig anspruchsvoll, wie es heute leider auch 
noch ist. Auch damals wollte die Menge nicht blofs 
edle Klänge hören, sondern dazu den Musiker arbeiten, 
wo nicht gar den Schweifs von seiner Stirne rinnen 
sehen. Goethe hörte im Oktober 1786 in Venedig 
ein Oratorium. Die Sänger erfüllten ihre Aufgaben 
vorzüglich. „Es wäre ein trefflicher Genufs gewesen," 
schrieb er nachher nieder, "wenn nicht der vermaledeite 
Kapellmeister den Takt mit einer Rolle Noten wider 
das Gitter, und so unverschämt geklappt hätte, als habe 
er mit Schuljungen zu thun, die er unterrichtete." Das 
Publikum liefs sich diese ganz überflüssige Störung ruhig 
bieten, empfand es offenbar gar nicht als Zudringlichkeit 
des Kapellmeisters, der sich nur aufspielen wollte, und 
Goethe bemerkt: "Es ist nicht das einzige Mal, dal's 
es (das Publikum) sich einbilden läfst, das gerade ge- 
höre zum Genufs, was den Genufs verdirbt." 
1) Gedichte. Purabolisch, Gedichte.
        

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