Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528304
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Goethes 
Ästhetik  
rühmten Landsmanne zwei Bilder zeigen durfte, schenkte 
Goethe ihnen eine sehr lange Aufmerksamkeit und dann 
bat er, dafs die Bilder noch länger bei ihm stehen bleiben. 
möchten, weil Sachen, über die man lange gedacht und 
gearbeitet hat, auch lange Zeit betrachtet werden müssenf). 
Andauerndes Betrachten wandelt unser erstes Urteil oft 
merkwürdig um. „Es begegnete und geschieht mir noch," 
sagt Goethe von sich selbstfl) „dafs ein Werk bildender 
Kunst mir beim ersten Anblick mifsfällt, weil ich ihm 
nicht gewachsen bin ; ahn' ich aber ein Verdienst daran, 
so suclf ich ihm beizukommen, und dann fehlt es nicht 
an den erfreulichsten Entdeckungen; an den Dingen 
wercP ich neue Eigenschaften und an mir neue Fähig- 
keiten gewahr." Namentlich die hohe Kunst verlangt 
Geduld von uns; man sollte sich ihr immer als be- 
scheidener Schüler nahen, so demütig wie Goethe, als. 
er nach Italien kam, der Antike und Renaissance nahte. 
"jahrelang sollte man in Betrachtung so eines Werkes 
zubringen," schreibt er nieder, als er in Venedig ein 
von Palladio erbautes Kloster besuchteß) und ein Jahr 
später kann er erklären: "Rom ist mir nun ganz familiär, 
und ich habe fast nichts mehr drin, was mich über- 
spannte. Die Gegenstände haben mich nach und nach 
zu sich hinaufgehobem Ich geniefse immer reiner, immer 
mit mehr Kenntnis." Freund Schiller hielt es nicht anders. 
Als er den Schlufs von ,Wilhelm Meisters Lehrjahrent 
empfangen hatte, antwortete er: „Eine würdige und wahrhaft 
ästhetische Schätzung des ganzen Kunstwerks ist eine 
1) Biedcrmann, VI, 
Reflexionen.  a) Ital. 
131, 6. Mai 1827.  9) 
Reise, 2. Oktober 1786. 
Maximen 
und
        

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