Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528256
Das 
Gcnicfsen 
Kunstwerke. 
der 
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bildenden Künstler bleibt es ein unwürdiges Märchen. 
Die Tradition sagt, dal's brutale Menschen gegen plastische 
Meisterwerke von sinnlichen Begierden entzündet wurden; 
die Liebe eines hohen Künstlers aber zu seinem treff- 
lichen Werke ist ganz anderer Art, sie gleicht der frommen, 
heiligen Liebe unterBlutsverwztndten und Freunden. Hätte 
Pygmalion seine Statue begehren können, so wäre er ein 
Pfuscher gewesen, unfähig, eine Gestalt hervorzubringen, 
die verdient hätte, als Kunstwerk oder als Naturwerk 
geschätzt zu werdenf") 
Ein Kuustgenufs, der die natürliche Begierde anreizt, 
ist besonders der noch ungebildeten Jugend eigentüm- 
lich; wer sie an erwünschte Realitäten erinnert, dem 
jubelt sie zu. Darum will der kluge Theaterdirektor ein 
buntes Allerlei bieten: 
"Dann sammelt sich der Jugend schönste Blüte 
Vor eurem Spiel und lauscht der Oflenbarung; 
Dann sauget jedes zärtliche Gemiite 
Aus eurem Werk sich melanchohsche Nahrung; 
Dann wird bald dies, bald jenes aufgeregt, 
Ein jeder sieht, was er im Herzen trägt. 
Noch sind sie gleich bereit, zu weinen und zu lachen, 
Sie ehren noch den Schwung, erfreuen sich am Schein 
XVer fertig ist, dem ist nichts recht zu machen, 
Ein Wcrdender wird immer dankbar seinf") 
Und der ungebildeten Jugend gleicht das ungebildete 
Volk: es verlangt vom Dichter wie vom Politiker doch 
vor allem: Illusionen. In Venedig lauscht es in halbem 
Traum dem Rhapsoden, der ihm ein Utopien schildert, 
wo man keine Rechnung bezahlen darf, wo der Faulste 
1) Didcrots Versuch über die Malerei. 
2) Vorspiel zu Faust. 
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