Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528248
2IO 
Goethes 
Ästhetik. 
Aber er hatte nicht mit der Morgenkälte und mit 
Goethes baldigem Kommen gerechnet. Er hatte mit 
seinem warmen Atem das kalte Glas angehaucht und 
dann seinen Kufs in seinen eigenen Hauch gedrückt. 
Der Hauch fror sogleich an, die Lippen waren mitten 
(larin deutlich erkennbar. So sah nun Goethe das 
Bild, und in stiller Heiterkeit suchte er den feurigen 
Liebhaber des Gemäldes zu entdecken. Bei ungeheiztem 
Zimmer mufste er dagewesen sein und sich allein gefühlt 
haben; von frischer Jugend sprachen Lippen und Kufs. 
Leicht war es nun festzustellen, dafs einer seiner jungen 
Freunde der seltsame Kunstfreund gewesen warf) 
Solche Wirkung, wie sie in diesem Falle Leonardo 
da Vinci erzielt hat, ist nun freilich nicht Aufgabe des 
Künstlers, und "wenn die Sperlinge nach gemalten 
Kirschen fliegen, so spricht das noch nicht für die Vor- 
treftlichkeit des Gemäldes, sondern es verrät, dafs diese 
Liebhaber echte Sperlinge warenß?) 
"Kein echter Künstler verlangt, sein Werk neben 
ein Naturprodukt oder gar an dessen Stelle zu setzen; der 
es thäte, wäre wie ein Mittelgeschöpf aus dem Reiche 
der Kunst zu verstofsen und im Reiche der Natur nicht 
aufzunehmen. Dem Dichter kann man wohl verzeihen, 
wenn er, um eine interessante Situation in der Phantasie 
zu erregen, seinen Bildhauer in eine selbsthervorgebrachte 
Statue wirklich verliebt denkt; wenn er ihm Begierden 
zu derselben andichtet, wenn er sie endlich in seinen. 
Armen erweichen läfst. Das giebt wohl ein lüsternes 
Geschichtchen, das sich ganz artig anhört; für den 
1) Annalen 1803.  
lichkeit der Kunstwerke 
 i) 
1798. 
Über 
XNahrheit 
und 
Wahrschef
        

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