Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528235
Das 
Geniefsen 
der 
Kunstwerke. 
In den ersten Jahren des neunzehnten Jahrhunderts 
veranstaltete Goethe in Weimar kleine Ausstellungen 
von Werken bildender Kunst; solche Gelegenheiten, 
eine Anzahl Gemälde und Statuen in einem Raume 
vereinigt zu sehen, waren damals in Deutschland noch 
sehr spärlich, und das damalige Publikum mag sich 
mit gröfserer Andacht zu den Kunstwerken begeben 
haben, als wir das bei heutigen Ausstellungen gewöhnt 
sind. 
An einem kalten W intermorgen 180 3 trat ein schöner 
und liebenswürdiger Jüngling in die weiinarische Samm- 
lung, noch ehe die Zimmer geheizt waren. Von allen 
Bildern zog ihn die Charitas von Leonardo da Vinci, 
in einer vortrefflichen Kopie von Riepenhausen, am 
stärksten an. Die süfse Traurigkeit des Mundes, das 
Schmachtende der Augen, die sanfte, gleichsam bittende 
Neigung des Hauptes sprachen zu ihm. Der Jüngling 
schaute sich um: er war allein mit dem Bilde! Und 
da konnte er sich nicht enthalten, einen Kufs auf das 
Glas des Rahmens zu drücken, gerade über den süfsen 
Mund der Charitas! Es sah ja niemand! 
W. Bode, Goethes Asthetik. I4
        

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