Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528212
Die 
Form. 
207 
grofsartige Leistungen der Maschinenmeister und Bühnen- 
maler. Einmal fragte er einen jungen Musiker, welchen 
Eindruck die ,De0data' von Kotzebue auf ihn gemacht 
habel) Dieser wufste nichts zu antworten, denn da ihn 
die Handlung von vornherein nicht gefesselt hatte, so 
war seine ganze Aufmerksamkeit auf die Scenerie ge- 
richtet gewesen. Er hatte einen vollkommenen Pano- 
ramengenufs gehabt. Eine Mondscheinscene im Walde 
war von einer Schönheit, dal's der junge Zuschauer über 
der Freude am Bilde alles Andere vergafs; die Eroberung 
und Verbrennung einer Burg bot die prächtigsten Ge- 
mälde. Aber den Inhalt des Schauspiels konnte er 
freilich nicht erzählen. 
"Ich finde das sehr natürlich," antwortete Goethe, 
"aber auch sehr bedauerlich. Die guten Leute bedenken 
nicht, wohin die übermäßige äufsere Pracht zuletzt 
unausbleiblich führen mufs; das Interesse für den In- 
halt wird geschwächt und das Interesse für den äufseren 
Sinn an dessen Stelle gesetzt. Doch es wird sicherlich 
auch wieder eine Reaktion eintreten    Erst müssen 
die Dekorationsmaler und Maschinisten dem Publikum 
nichts Neues mehr bieten können, das Publikum von 
dem Prunk bis zum Ekel iibersättigt sein, dann wird. 
man zur Besinnung kommen und das jetzt zurück- 
gedrängte Echte wieder hervorgeholt, auch gutes Neues 
hinzugeschaffen werdenf") 
1) Gespräch mit I. C. Lobe, Mitte Juli 1820. Biedermann 
IV, 52_  1') Dafs Goethe für die technischen Einrichtungen 
der Bühne sehr viel Interesse hatte und z. B. über Theater- 
Architektur Treffliches geäußert hat, braucht hier nicht aus- 
geführt zu werden. Selbst die drehbare Bühne, die wir als 
neueste Erfindung kennen, war in seiner Phantasie schon vor-
        

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