Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528206
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Goethes 
Ästhetik. 
gehört. Der Geschmack ist dem Genie angeboren, 
wenn er gleich nicht bei jedem zur vollkommenen 
Ausbildung gelangt. Daher wäre freilich zu wünschen, 
dafs die Nation Geschmack hätte, damit sich nicht 
jeder Einzelne notdürftig auszubilden brauchte. Doch 
leider ist der Geschmack der nicht hervorbringenden 
Naturen verneinencl, beengend, ausschliefsend und nimmt 
zuletzt der hervorbringenden Klasse Kraft und Leben." 
Ziehen wir aus allem Gesagten die Summe, so 
sehen wir, dafs Goethe die wunderbare Gewalt der 
Form anerkennt und damit bestätigt, dafs von dem 
Ergreifen der richtigen Form das Gelingen eines Kunst- 
werkes bestimmt wird; aber er lehnt sich gegen die 
Gesetzgebung auf, die den schweifenden Dichter auf 
vorgeschriebene Fahr- _und Fußwege. beschränken will 
und ihm durch angehäufte Warnungstafeln Aussicht und 
Stimmung verdirbt. Er sieht aber namentlich auch in 
der überfeinertexi Form die Gefahr, dafs der Gehalt 
der Kunstwerke darunter leidet. „Es ist eine Tradition: 
Dädalus, der erste Plastiker, habe die Erfindung der 
Drehscheibe des 'l'öpfers beneidet. Von Neid möchte 
wohl nichts vorgekommen sein; aber der grofse Mann 
hat wahrscheinlich vorempfunden, dafs die Technik zu- 
letzt in der Kunst verderblich werden müssef") 
In ,Kunst und Altertum" heifst es bestimmter: "Die 
Technik im Bündnis mit dem Abgeschmackten ist die 
fürchterlichste Feindin der Kunst". 
Vorhin sahen wir den Unterschied der altenglischen 
und der modernen Bühne; auch Goethe erlebte schon 
_K_.DL 
 Sprüche in Prosa. Verschiedenes Einzelne über die Kunst.
        

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