Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528195
Die 
Form. 
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Schicklichkeiten der Sozietät gelten kann. Man sollte 
darüber nicht mit ihm rechten, sondern einzusehen 
trachten, inwiefern er recht hat. Man kann sich freuen, dafs 
eine so geistreiche undweltkluge Nation dieses Experiment 
zu machen genötigt war, es fortzusetzen genötigt ist. 
"Aber im höhern Sinne kommt doch alles darauf an, 
welchen Kreis das Genie sich bezeichnet, in welchem 
es wirken, was es für Elemente zusammenfafst, aus 
denen es bilden will. Hierzu wird es teils durch innern 
Trieb und eigene Überzeugung bestimmt, teils auch 
durch die Nation, durch das jahrhundert, für welche 
gearbeitet werden soll. Hier trifft das Genie freilich 
nur allein den rechten Punkt, sobald es Werke hervor- 
bringt, die ihm Ehre machen, seine Mitwelt erfreuen 
und zugleich weiter fördern. Denn, indem es seinen 
Weitern Lichtkreis in dem Brennpunkt seiner Nation 
zusammendrängen möchte, so weifs es alle innern und 
äufsern Vorteile zu benutzen und zugleich die geniefsende 
Menge zu befriedigen, ja zu überfüllen. Man gedenke 
Shakespeares und Calderonsl Vor dem höchsten 
ästhetischen Richterstuhle bestehen sie untadelig, und 
wenn irgend ein verständiger Sonderer wegen gewisser 
Stellen hartnäckig gegen sie klagen sollte, so würden 
sie ein Bild jener Nation, jener Zeit, für welche sie 
gearbeitet, lächelnd vorweisen und nicht etwa dadurch 
blofs Nachsicht erwerben, sondern deshalb, weil sie sich so 
glücklich bequemen konnten, neue Lorbeeren verdienen. 
„Die Absonderung der Dicht- und Redearten liegt in 
der Natur der Dicht- und Redekunst selbst; aber nur 
der Künstler darf und kann die Scheidung unternehmen, 
die er auch unternimmt, denn er ist meist glücklich 
genug zu fühlen, was in diesen oder jenen Kreis
        

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