Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528161
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Goethes 
Ästhetik. 
nicht bedenken, das Gesetz über Bord zu werfen. Man 
soll ja nicht den Wortlaut solcher Gesetze heilig halten, 
sondern nach Sinn und Grund fragen?) 
 „Das Fafsliche ist der Grund, und die drei Ein- 
heiten sind nur insofern gut, als dieses durch sie er- 
reicht wird. Sind sie aber dem Fafslichen hinderlich, 
so ist es immer unverständig, sie als Gesetz betrachten 
und befolgen zu wollen. Selbst die Griechen, von 
denen diese Regel ausging, haben sie nicht immer be- 
folgt; im ,Phaethon' des Euripides und in andern 
Stücken wechselt der Ort, und man sieht also, dafs die 
gute Darstellung ihres Gegenstandes ihnen mehr galt 
als der blinde Respekt vor einem Gesetz, das an sich 
nie viel zu bedeuten hatte. Die Shakespeareschen 
Stücke gehen über die Einheit der Zeit und des Orts 
so weit hinaus als nur möglich, aber sie sind fafslich; 
es ist nichts fafslicher als sie, und deshalb würden auch 
die Griechen sie untadelig finden. Die französischen 
Dichter haben dem Gesetz der drei Einheiten am 
strengsten Folge zu leisten gesucht, aber sie sündigen 
gegen das Fafsliche, indem sie ein dramatisches Gesetz 
nicht dramatisch lösen, sondern durch Erzählung." 
Übrigens unterschied Goethe zwischen Drama und 
Theaterstück und erklärte dann, Shakespeare habe 
keine Theaterstücke verfafstfi) Das Drama ist nämlich 
an sich nichts weiter als „ein Gespräch in Handlungen, 
wenn es auch nur vor der Einbildungskraft geführt 
würde"; es kann also recht gut von einem Einzelnen 
1) Eckermann, 24. Februar 1825.  
Theatcrdichter, 1826. Vgl. auch Eckermann, 
und 26. Juli 1826. 
2) Shakespeare als 
25. Dezember I825
        

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