Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528148
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Goethes 
Ästhetik. 
und ging noch weiter?) "Alles Poetische sollte rhyth- 
misch behandelt werden! Das ist 1neine Überzeugung, 
und dafs man nach und nach eine poetische Prosa 
einführen konnte, zeigt nur, dafs man den Unterschied 
zwischen Prosa und Poesie aus den Augen verlor. Es 
ist nicht besser, als wenn sich jemand in seinem Park 
einen trockenen See bestellte und der Gartenkünstler- 
diese Aufgabe dadurch aufzulösen suchte, dafs er einen 
Sumpf anlegte. Diese Mittelgeschlechter sind nur für 
Liebhaber und Pfuscher, so wie die Sümpfe für Amphi- 
bien .   Alle dramatischen Arbeiten (und vielleicht 
Lustspiel und Farce zuerst) sollten rhythmisch sein!" 
Schiller und Goethe hatten im Jahre 1797 auch viele 
briefliche und mündliche Beratungen, welche Stoffe in 
die verschiedenen poetischen Gattungen hineinpafsten: 
ob eine gegebene Fabel in einer Ballade, einem Epos, 
einem Drama oder sonstwie behandelt werden müsse. 
"Ich habe mich darinnen so oft in meinem Leben ver- 
griffen, dafs ich endlich einmal ins Klare kommen 
möchte," so beginnt Goethef) "eine reine Form hilft 
und trägt, da eine unreine überall hindert und zerrt."3) 
Aber das Ergebnis war schliefslich doch, dafs der 
Dichter sich auch hier seinem Genius anvertrauen müsse. 
Goethe wollte ein Epos ,Tell' dichten; als er Schiller 
den Stoff abtrat, machte dieser ein Drama daraus. 
Goethe hielt die Geschichte Wallensteins für keinen 
guten dramatischen Stoff, aber in Schillers Geiste wurde 
er dazu. Als Goethe ,Hermann und Doretheaf nahezu 
1) An Schiller, 25. 
vom 22. April 1797.  
November 1797. 
 3) An Schiller, 
2) Brief an Schiller 
Oktober 1797.
        

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