Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528133
Die 
Form. 
199 
„Die Sache ist sehr einfach," sagte Goethe. „Um 
Prosa zu schreiben, mufs man etwas zu sagen haben; 
Wer aber nichts zu sagen hat, der kann doch Verse 
und Reime machen, wo denn ein Wort das andere 
giebt und zuletzt etwas herauskommt, das zwar nichts 
ist, aber doch aussieht als wäre es was." 
Auf der andern Seite meinte er, dal's für poetische 
Darstellungen immer der Vers gewählt werden sollte, 
Weil in der prosaischen Form eine Anziehungskraft für 
sonstige Prosa liegt. Deshalb arbeitete Goethe z. B. 
seine ,lphigenie' in Verse um und hielt das für eine 
grofse Verbesserung, obwohl sein Diener und Schreiber 
Philipp Seidel gegen diese neue Form energisch 
protestierte. Schiller folgte ihm darin mit dem ,Wallen- 
Stein' und er mufste gestehen?) „Seitde1n ich meine 
prosaische Sprache in eine poetisch-rhythmische ver- 
wandle, befinde ich mich unter einer ganz andern 
Gerichtsbarkeit als vorher ; selbst viele Motive, die in 
der prosaischen Ausführung recht gut a1n Platze zu 
Stehen schienen, kann ich jetzt nicht mehr brauchen; 
Sie waren blofs gut für den gewöhnlichen Hausverstand, 
dessen Organ die Prosa zu sein scheint, aber der Vers 
"fordert schlechterdings Beziehungen auf die Einbildungs- 
kraft, und so mufste ich auch in mehreren meiner 
Motive poetischer werden. Man sollte wirklich alles, 
Was sich über das Gemeine erheben mufs, in Versen, 
Wenigstens anfänglich, konzipieren, denn das Platte 
kommt nirgends so ins Licht, als wenn es in gebundener 
Schreibart ausgesprochen wird." Goethe stinnnte zu 
An 
Goethe, 
November 
1797"
        

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