Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528083
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Goethes 
Ästhetik. 
Wieso?"') Er hatte diesem geborenen Dichter weiter 
nichts zu raten, als dafs er sich beständig bilde: zu 
gröfserer Weltkenntnis, zu reinerem Geschmack, zu 
edlerer Gesinnung. Er mufste deshalb auch die Auf- 
richtigen, die seine Lehren begehrten, abweisen: 
"Lafst euch einen Gott begeisten! 
Euch beschränket nur mein Sagen. 
Was ihr könnt, ihr Werdefs leisten, 
Aber müfst mich nur nicht fragenlw) 
Ein 
Schulmeister 
der 
Dichtkunst 
war 
also 
nicht. 
„Wenn ich aber aussprechen soll, was ich den Deutschen 
überhaupt, besonders den jungen Dichtern, geworden 
bin, so darf ich mich wohl ihren Befreier nennen; denn 
sie sind an mir gewahr geworden, dafs, wie der Mensch 
von innen herausleben, der Künstler von innen heraus 
wirken müsse, indem er, gebärde er sich, wie er will, 
immer nur sein Individuum zu Tage fördern wird. 
Geht er dabei frisch und froh zu Werke, so manifestiert 
er gewifs den Wert seines Lebens, die Hoheit oder 
Anmut, vielleicht auch die anmutige Hoheit, die ihm 
von der Natur verliehen war."3) Es ist auf ästhetischem 
Gebiete wie auf ethischem: im Anfange braucht die 
Menschheit bestimmte Gebote: „Du sollst"  und „du 
sollst nicht", und gut erscheint derjenige, dem Verstöfse 
gegen diese bestimmt formulierten Vorschriften nicht 
nachzuweisen sind. Allmählich aber erkennt man, dafs 
der ethische Wert einer Handlung nicht nach solchen 
erstarrten, abstrakten Paragraphen gemessen werden 
1) Zu David Veit, I9. Oktober 1794, Biedermann I, 160. 
5') Gedichte. Epigrammatisch. Den Guten.  3) Deutsche 
Littcratur. Noch ein Wort für junge Dichter.
        

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