Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528049
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Goethes 
Ästhetik. 
„Aus dem Häfslichen lafst sich viel machen, aus 
dem Schönen nichts." Darauf erwidert 
Artemidoros: „Aber dieses macht uns zu etwas, jenes 
vernichtet uns." 
Henriette: „Hat nicht jedes Zerrbiltl etwas unwider- 
stehlich Anziehendes P" 
Amalie: "Hat nicht jede üble Nachrede, wenn sie über 
einen Abwesenden hergeht, etwas unglaublich Reizendes  
Henriette: "Macht ein solches Bild nicht einen un- 
auslöschlichen Eindruck?" 
Amalie: „Das ist's, warum ich sie verabscheue   . 
Ich mag es machen, wie ich will, so mufs ich mir den 
großen Pitt als einen stumpfnäsigen Besenstiel und 
den in so manchem Betracht schätzenswerten Fox als 
ein vollgesacktes Schwein denken." 
Im gleichen Sinne schreibt Goethe 1824 an Zelterzl) 
„Wie ich ein Todfeindlsei von allem Parodieren und 
Travestieren, habe ich nie verhehlt; aber nur deswegen 
bin ich's, weil dieses garstige Gezücht das Schöne, Edle, 
Grofse herunterzieht, um es zu vernichten; ja selbst den 
Schein sehe ich nicht gern dadurch verjagtf") 
Nun konnte man freilich Goethen erwidern, dal's 
doch die alten Griechen, die er so hoch preise, nach 
den ergreifendsten Tragödien Possen spielen liefsen. 
Er enzvidertezii) „Hier findet sich keineswegs der paro- 
1) I2. Mai 1824.  9) Wcr ähnlicher Meinung ist wie Goethe, 
sollte doch dagegen protestieren, dal's sein sakrarnentaler Schlufs 
des Faust, sein religiöses Bekenntnis zum Ewig-Weiblichen von un- 
wissenden Menschen beständig karikiert werde. Wer möchte wohl 
über "die Gnade Gottes" spottenl Und das ist doch nur ein anderer 
Name für jene Zuversicht, die Goethe als das "Ewig-Weibliche" an- 
schaulich werden läfst.  3) Über die Parodie bei den Alten, 1824.
        

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