Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528031
Gehalt und 
Tendenz. 
139 
0b dies Erlebte euch ge för de rt habe. Ihr seid nicht 
gefördert, wenn ihr eine Geliebte, die ihr durch Ent- 
fernung, Untreue, Tod verloren habt, immerfort be- 
trauert. Das ist gar nichts wert, und wenn ihr noch 
so viel Geschick und Talent dabei aufopfert. Man 
halte sich ans fortschreitende Leben und prüfe sich 
bei Gelegenheiten; denn da beweist sich's im Augen- 
blick, ob wir lebendig sind, und bei späterer Betrachtung, 
ob wir lebendig waren." 
Goethe deutet in diesen Sätzen an, welche Kunst- 
arten er, der Weitherzige, vertilgt sehen möchte: die 
tadelnden und entstellenden, denn Mifswollen und Mifs- 
reden fördert weder den Autor noch sein Publikum. Er 
war zeitlebens ein Feind der Karikatur, mifstraute auch 
den Witzbolden nnd "Humoristen". Die Gestaltung ist 
Aufgabe des Künstlers, nicht die Verzerrung der Ge- 
stalten. Dafs die mythologischen Gebilde der Inder 
und Ägypter so oft fratzenhaft sind, war unserm Dichter 
immer wieder peinlichf) er war kein grofser Hunde- 
freund, „sind doch Tiere nur Zerrbilder der Menschenf?) 
Cr meinte, Lichtenbergs Wohlgefallen an Karikaturen 
rühre wohl von seiner unglücklichen körperlichen Kon- 
stitution her: es erfreue ihn, etwas noch unter sich zu 
erblickenß) In den ,Guten Weibern' läfst Goethe eine 
Gesellschaft sich mit dem Besehen von Zerrbildern 
hinter-halten; ein Freund derselben, Sinklair, bemerkt: 
1) Vgl. Noten zum Divan und Zahme Xenien, "Gott hat 
den Menschen gemacht", "Und so will ich ein für allemal keine 
Bestien in dem Göttersaal", "Nicht jeder kann alles vertragen" 
und fölgendc.  2) Amalic in den ,Guten YVeibernK  3) Zu 
Riemer, März 1806, Biedermann II, 26.
        

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