Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528022
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Goethes 
Ästhetik. 
in einem grofsen Kreise gewirkt und genützt; aber es 
war nicht Zweck, sondern ganz notwendige Folge, wie 
sie bei allen Wirkungen natürlicher Kräfte stattfindet." 
Schon in Italien schreibt er einmal nieder: "Welch 
ein Unterschied ist nicht zwischen einem Menschen, der 
sich von innen aus auferbauen, und einem, der auf die 
Welt wirken und sie zum Hausgebrauch belehren willlm) 
Den jungen poetischen Talenten riet er immer 
wieder, auf sich Acht zu haben, dafs ihre Werke 
an Gehalt mehr und mehr gewinnen. "Poetischer 
Gehalt aber ist Gehalt des eigenen Lebens," den uns 
niemand geben und nehmen kann?) Ein Prüfstein auf 
diesen Gehalt ist bei Versen die Übersetzung in Prosa. 
„Ich ehre den Rhythmus wie den Reim, wodurch Poesie 
erst zur Poesie wird, aber das eigentliche tiefe und 
gründlich Wirksame, das wahrhaft Ausbildende und 
Fördernde ist dasjenige, was vom Dichter übrig bleibt, 
wenn er in Prosa übersetzt wird. Dann bleibt der reine 
vollkommene Gehalt, den uns ein blendendes Äufseres 
oß, wenn er fehlt, vorzuspiegeln weifs und, wenn er 
gegenwärtig ist, verdeckt." 3) Statt aller technischen 
Finessen gab Goethe seinen jungen Freunden eine grofse 
Regel: "Der junge Dichter spreche nur aus, was lebt 
und fortwirkt, unter welcherlei Gestalt es auch sein 
möge; er beseitige streng allen Widergeist, alles Mifs- 
wollen, Mifsreden, und was er nur verneinen kann; 
denn dabei kommt nichts heraus"    "Fragt euch nur 
bei jedem Gedicht, ob es ein Erlebtes enthalte, und 
1) Ital. Reise. Caserta, I5. März 1787.  2) Noch 
Wort für junge Dichter.   Aus meinem Leben II, I0. 
ein
        

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