Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1528000
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Goethes 
Ästhetik. 
„Liest doch nur jeder 
Aus dem Buch sich heraus, und ist er gewaltig, so liest er 
In das Buch sich hinein, amalgarniert sich das Fremde. 
Ganz vergebens strcbst du daher, durch Schriften des Menschen 
Schon entschiedenen Hang und seine Neigung zu wenden; 
Aber bestärken kannst du ihn wohl in seiner Gesinnung, 
Oder wäf er noch neu, in dieses ihn tauchen und jenes  
Sag ich, wie ich es denke, so scheint durchaus mir, es bildet 
Nur das Leben den Mann, und wenig bedeuten die YVortef") 
Einige der ersten Meister machen hier freilich eine 
Ausnahme, und wenn die Bühne auch keine moralische 
Erziehungsanstalt sein soll, so wird sie es freilich sein, 
wenn ein Dramatiker von hoher Moralität sie beherrscht. 
„Ein grofser dramatischer Dichter", sagte Goethe?) 
"wenn er zugleich produktiv istund ihm eine mächtige 
edle Gesinnung beiwohnt, die alle seine Werke durch- 
dringt, kann erreichen, dafs die Seele seiner Stücke 
zur Seele des Volks wird. Ich dachte, das wäre etwas, 
das wohl der Mühe wert wäre. Von Corneille ging 
eine Wirkung aus, die fähig war, Heldenseelen zu bilden. 
Das war etwas für Napoleon, der ein Heldenvolk nötig 
hatte; weshalb er denn von Corneille sagte, dafs, wenn 
er noch lebte, er ihn zum Fürsten machen würde. Ein 
dramatischer Dichter, der seine Bestimmung kennt, soll 
daher unablässig an seiner höhern Entwickelung arbeiten, 
damit die Wirkung, die von ihm auf das Volk ausgeht, 
eine wohlthätige und edle sei." 
Der letzte Satz zeigt uns, wie Ethiker und Ästhetiker 
sich versöhnen können. Die Moralisten sollen nicht in 
die Kunst hineinreden, sondern den Künstler als 
Menschen ergreifen und erhöhen; ist er von religiösen, 
Gedichte, 
Erste Epistel. 
Eckcrmann, 
April 
1827-
        

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